Vom Studium in die Praxis: Dein (digitaler) Weg

© Hanke
Warum die Arbeit im ambulanten Bereich so sinnstiftend und attraktiv ist und wie die Kassenärztlichen Vereinigungen dabei helfen können, erklärte Friederike Knaack von der KV Hessen beim Operation Karriere Kongress in Frankfurt.

Mehr als eine Milliarde Arzt-Patienten-Kontakte gibt es jedes Jahr in Arztpraxen in Deutschland. Aber weil das Durchschnittsalter der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte bei über 50 Jahren liegt, wird dringend Nachwuchs gesucht.

Die Kassenärztliche Vereinigung Hessen möchte, genau wie andere KVen in Deutschland, den medizinischen Nachwuchs möglichst früh für den ambulanten Bereich begeistern. Durch eine intensive Begleitung schon im Studium soll den jungen Medizinerinnen und Medizinern Lust auf die Arbeit in der Niederlassung gemacht werden.

Vier Modelle der Niederlassung

In ihrem Vortrag erklärte Knaack vier verschiedene Modelle, wie ärztliche Arbeit in der Niederlassung gestaltet werden kann:

  • Einzelpraxis: Das klassische Modell ist immer noch die Einzelpraxis. Hier kann jeder Arzt und jede Ärztin mit einer hohen Eigenständigkeit und Selbstverantwortung gestalten, wie der eigene Arbeitsplatz aussehen soll. Motto ist hier: “Ich bin mein eigener Chef”. Allerdings trägt auch jeder ein hohes Eigenrisiko.
  • Praxisgemeinschaft: In einer Praxisgemeinschaft kooperieren mehrere eigenständige Arztpraxen miteinaner. Dabei hat jede Praxis einen eigenen Patientenstamm und rechnet getrennt von den anderen ab. Durch die Kooperation entstehen verschiedene Vorteile: So können sich mehrere Ärztinnen und Ärzte beispielsweise das Personal, die Räume oder teure Geräte teilen. Man nutzt also die Vorteile einer Kooperation, ohne seine Eigenständigkeit zu verlieren.
  • Berufsausübungsgemeinschaft (BAG) / Gemeinschaftspraxis: In einer Gemeinschaftspraxis teilen sich mehrere Ärztinnen / Ärzte einen gemeinsamen Patientenstamm und rechnen ihre Leistungen auch gemeinsam ab. Auch das Risiko bei krediten etc. liegt auf mehreren Schultern. Für eine BAG entscheiden sich meistens Ärztinnen und Ärzte, die sich schon im Studium kennengelernt haben.
  • Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ): Medizinische Versorgungszentren werden in der Regel ärztlich oder psychotherapeutisch geleitet. Dort arbeiten Ärztinnen und Ärzte im Angestelltenverhältnis. Sie tragen nur ein geringes Risiko und profitieren von festen Arbeitszeiten, Elternzeit und Krankheitszeiten. Ein MVZ ist eine gute Möglichkeit, um die Praxisabläufe kennenzulernen, bevor man eine eigene Praxis gründet.

Vorteile: Gute Work-Life-Balance und individuelle Gestaltungsmöglichkeiten

Die ambulanten Modelle ermöglichen Ärztinnen und Ärzten im Vergleich zur Arbeit in der Klinik eine deutlich bessere Work-Life-Balance, erklärte Knaack. So könne man besonders in einer Einzelpraxis die Arbeitszeiten flexibel gestalten, auch könne man als Arzt oder Ärztin selbst entscheiden, welche individuellen Leistungen man in der eigenen Praxis anbieten wolle.

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Und auch die Familienplanung sei in der Praxis gut machbar, erläuterte Knaack: Vertragsärztinnen und angestellte Ärztinnen können sich beispielsweise nach der Geburt eines Kindes für zwölf Monate vertreten lassen. Bei Schwangerschaft oder in der Elternzeit werde man außerdem vom ärztlichen bereitschaftsdienst freigestellt. Außerdem können Ärztinnen und Ärzte für die Zeit der Kindererziehung für bis zu 36 Monate eine Sicherstellungsassistenz in der Praxis beschäftigen.

Unterstützungsmöglichkeiten durch die KV Hessen

Medizinstudierende und junge Ärztinnen und Ärzte, die sich für eine Niederlassung interessieren, können viele Unterstützungsangebote der KV Hessen in Anspruch nehmen: So gibt es beispielsweise finanzielle Förderangebote für Famulaturen und das PJ im ambulanten Bereich. Außerdem gibt es eine Studentenakademie, die zweimal im Jahr stattfindet: Hier können sich Interessierte in Workshops über Themen rund um die Niederlassung informieren, aber auch mit anderen jungen Medizinerinnen und Medizinern vernetzen.

Während der Weiterbildung gibt es Fördermöglichkeiten für verschiedene Fachbereiche: Die Koordinierungsstelle Weiterbildung Allgemeinmedizin gebe es in allen KVen bundesweit, erklärte Knaack. Hier werden interessierte Ärztinnen und Ärzte mit Kliniken und Praxen für eine Weiterbildung zusammengebracht. Außerdem soll die Gründung von Weiterbildungsverbünden sicherstellen, dass sich die Ärztinnen und Ärzte in der Weiterbildung alle nötigen Inhalte aneignen können. Mit dem Doc’s Camp steht auch hier analog zur Studentenakademie ein Format zur Verfügung, bei dem sich die Teilnehmenden wichtige Inhalte aneignen und Kontakte knüpfen können.

Das Ärztliche Kompetenzzentrum Hessen steht darüber hinaus jungen Ärztinnen und Ärzten aus allen anderen Fachrichtungen (außer Allgemeinmedizin) zur Verfügung. Neben speziellen Fortbildungsveranstaltungen gibt es hier auch die Möglichkeit zu einem persönlichen Coaching und die Möglichkeit einer finanzellen Förderung von Arztpraxen, die Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung einstellen.

Quelle: Vom Studium bis zur Praxis – Dein (digitaler) Weg, Friederike Knaack, KV Hessen, Operation Karriere-Kongress in Frankfurt am 24. Juni 2023

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