Mein Weg nach Deutschland

Der Weg in den Arztberuf ist nicht immer einfach. Unsere Operation Karriere-Bloggerin Lathy weiß das genau. In ihren Beiträgen schildert sie ihren Weg vom Medizinstudium in China über das PJ in Marokko bis zur Facharzt-Ausbildung in Deutschland.

Mein Weg nach Deutschland war ein tolles und stressiges Abenteuer. Der Weg zum Erfolg war zwar sehr anstrengend, aber es hat sich gelohnt, ihn zu gehen. Oscar Wilde sagte mal: „Am Ende wird alles gut sein. Wenn es nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende.“ Man braucht Geduld und Vertrauen.

Ich habe in China Medizin studiert und mein PJ in Casablanca in Marokko gemacht. Dort habe ich mehr über Deutschland erfahren und auch die Sprache bis zum B2 Niveau gelernt. Natürlich konnte ich nicht so gut sprechen, weil wir in Marokko jeden Tag nur Französisch geredet haben.

Ein ganz anderes System

Im Juli 2019 habe ich die Entscheidung getroffen und bin ich für das erste Mal nach Deutschland geflogen. Das war für mich ein Abenteuer! Ich hatte keine Familie oder Kontakte in Deutschland. Als ich in Deutschland ankam, habe ich Fachsprachekurse für ausländische Ärzte an der FIA (Freiburg International Academy) besucht. Die Integration war für mich nicht so einfach. Hiermit meine ich nicht die Sprache, sondern das System des Gesundheitswesens. Für mich war es sehr kompliziert zu verstehen. Nach den Fachsprachkursen habe ich deswegen eine dreimonatige Hospitation in einem deutschen Krankenhaus gemacht, um einen klareren Überblick über das System zu bekommen und auch die deutsche Kultur besser zu verstehen. Was mich fasziniert hat: Alles, was ich mit dem Patienten oder der Patientin machen soll, muss ich immer auch mit ihm oder ihr abklären. Das ist leider dort, wo ich herkomme, nicht der Fall. Die deutschen Strukturen im Krankenhaus, die es braucht, um eine Diagnose zu stellen, waren für mich nicht so klar zu verstehen. Aber mit der Zeit habe ich es gelernt.

Während meiner Hospitation im Krankenhaus konnte ich meine Sprachkenntnisse mit den Patientinnen und Patienten sowie den Kollegen und Kollegen vertiefen.

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Die deutsche Bürokratie

Als Ausländerin habe ich viele Hürden überwinden müssen, aber das hat mich nicht daran gehindert, mein Ziel zu erreichen.

Mein Alltag als Hospitantin im Krankenhaus hatte seine Vor- und Nachteile.

Die Nachteile waren manchmal komische Situationen zwischen Kolleginnen und Kollegen. Ich hatte das Gefühl, dass ich nicht willkommen war, aber es gab auch gute Tage. Patientinnen und Patienten hatten manchmal Angst, zu mir zu kommen. Das hat mich ein bisschen frustriert. Es gab Tage, an denen ich nicht mehr weitermachen wollte. Aber ich habe es nicht gemacht. Denn es gab auch viele Vorteile. Ich konnte viel lernen, Erfahrung sammeln sowie meine Sprachen verbessern. Das hat mich motiviert, mein Ziel zu erreichen.

Nach der Hospitation habe ich als Impfehelferin beim Deutschen Roten Kreuz gearbeitet. Ich hatte auch schon beim Landesprüfungsamt in Frankfurt den Antrag für meine Berufserlaubnis gestellt. Das Jahr 2020 war für mich ein Albtraum. Jeden Tag hatte ich die Hoffnung, daraus aufzuwachen. Denn das Problem war: Um eine Beruferlaubnis zu bekommen, muss man eine Stellenzusage von einer Praxis oder einem Krankenhaus haben. Meine Bewerbungen in verschiedenen Krankenhäusern waren leider nicht erfolgreich, weil ich noch keine Beruferlaubnis hatte. Aber um die zu bekommen, musste ich die Zusage haben. Das war ein Teufelskreis.

Das Deutsche Rote Kreuz war mein erster Arbeitgeber. Ich habe mich noch nie so in Sicherheit gefühlt, tolle Leute, tolle Chefs und Kolleginnen und Kollegen. Sie haben mir Mut gegeben weiterzumachen. Meine Sprache wurde auch immer besser, nachdem ich dort angefangen hatte. Jeden Tag habe ich mich immer gefreut, zur Arbeit zu fahren. Das war eine Chance für mich, Kontakte zu knüpfen, die deutsche Mentalität und und auch Witze zu verstehen. Natürlich gab es bei der Arbeit auch schlechte Tage. Wir haben Leute mit den Neuen Corona-Impfstoffen geimpft. Menschen aus allen Bundesländern kamen zu uns. eEs hat mich immer gefreut, Biontech zu impfen, weil die Menschen sich einfach mehr getraut haben, diese Impfung zu bekommen. Ich erinnere mich daran, dass wir Biontech am Anfang bei Älteren und Jüngeren geimpft haben. Die anderen Impfstoffe bekamen Personen anderer Kategorien.

Es hat immer Streit gegeben, die Leute waren sehr unfreundlich. Ich konnte sie verstehen, denn es ist okay, Angst zu haben. Bei Astrazeneca gab es das Risiko eines Blutgerinnsels. An einem Tag habe ich einen Mann geimpft, der mir gesagt hat, wenn es ihm zuhause schlechter gehen würde, wäre das mein Fehler. Das war sehr provokant und er war nicht der einzige, aber es hat mich nicht daran gehindert, freundlich zu sein. Meine besten Tage waren die, wenn ich älteren Personen (80 Jahre alt) geimpft habe. Diese Leute hatten ein sehr großes Herz. Sie waren immer dankbar, sie haben mich immer glücklich gemacht.

Leider musste ich Frankfurt verlassen, weil mein Anerkennungsweg sehr kompliziert war. Mir wurde gesagt, dass ich nicht hier als Ärztin arbeiten könnte, dass ich in China zuerst arbeiten sollte. Das war sehr komisch, weil in anderen Bundesländern meine Klassenkameraden schon problemlos im deutschen System arbeiten konnten. Es hat niemanden interessiert, was ich erklären wollte. Ich habe hier gelernt: Wenn man eine Checkliste hat, arbeitet man sie ab und wenn etwas nicht auf der Checkliste steht, kann man nichts machen. So war es auch bei mir. Eine Kongolesin, die in China studiert hat. So etwas das hatte das Prüfungsamt Frankfurt noch nicht gesehen. Mir wurde nicht zugehört und ich war nicht willkommen. Als ich das verstanden hatte, habe ich meine Unterlagen genommen und bin ich ins Saarland umgezogen. Hier gab es das gleiche Problem, aber die Dame, die meine Unterlagen genommen hatte, hat zugehört und meine Unterlagen nach Bonn geschickt. Mir wurde gesagt, dass dort die Daten für alle Länder liegen. Gott sei Dank haben sie dort meinen Unterlagen zugestimmt und konnte ich in der Kinder- und Jugendpsychiatrie anfangen. Ich habe dort tolle Leute getroffen. Mein Chef war sehr nett und hat mir viel beigebracht, dort habe ich vom 01.12.21 bis zum 30.06.23 gearbeitet. Im November 2022 habe ich meine Kenntnisprüfung abgelegt und die Approbation erhalten. Ab August werde ich endlich meine Weiterbildung in der Kardiologie anfangen und darauf freue ich mich sehr.

Zusammengefasst würde ich sagen, dass es nicht einfach ist, die Anerkennung in Deutschland zu erhalten, aber es ist machbar.  Man muss nur Vertrauen haben, viel kämpfen und was sehr wichtig ist: die Sprache verstehen. Das ist der Schlüssel zum Erfolg und zu einer guten Zukunft.

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