Nach dem Abschluss meines Medizinstudiums hatte ich das Ziel, Ärztin zu werden, erreicht. Der Arbeitsvertrag war bereits einige Zeit zuvor unterzeichnet worden, und der Beginn meiner Tätigkeit in der Herzchirurgie an einem der renommiertesten Herzzentren Deutschlands und zugleich mit einem sehr guten internationalen Ruf stand bereits fest. Nach den letzten Prüfungen und den Feierlichkeiten zum Studienabschluss – darunter das traditionelle Unifest mit Talar, Hütewurf und der feierlichen Übergabe der Schmuckurkunden – überwog die Freude darüber, diesen bedeutenden Meilenstein erreicht zu haben. Dennoch begann meine berufliche Tätigkeit nicht unmittelbar nach dem letzten Staatsexamen, da bis zur Ausstellung der Approbationsurkunde und dem Abschluss aller administrativen Formalitäten noch einige Wochen vergingen.
Organisatorische Aufgaben vor dem Berufsstart
Rückblickend war diese Übergangsphase für mich äußerst wertvoll. Heute, als Ärztin in der Herzchirurgie, zeigt sich ihr Nutzen noch deutlicher.
Zunächst standen selbstverständlich organisatorische Aufgaben im Vordergrund. Die arbeitsmedizinische Untersuchung beim betriebsärztlichen Dienst, die Einreichung der Approbationsurkunde sowie weiterer erforderlicher Unterlagen und sämtliche Formalitäten rund um den Arbeitsbeginn mussten erledigt werden. Wer diese Schritte frühzeitig abschließt, kann dem ersten Arbeitstag deutlich entspannter entgegensehen.
Den größten Teil nutzte ich jedoch bewusst für persönliche und fachliche Entwicklung. Nach den intensiven Jahren des Medizinstudiums nutzte ich die Phase zum Reisen, sammelte neue Eindrücke und erweiterte meinen Horizont. Darüber hinaus bin ich in dieser Zeit in eine neue, internationale und akademisch geprägte Stadt umgezogen, was zugleich den Beginn eines neuen Lebensabschnitts markierte. Außerdem habe ich meine herzchirurgischen Forschungsprojekte erfolgreich abgeschlossen. All dies bot mir die Möglichkeit, noch einmal bewusst Abstand vom Prüfungsstress zu gewinnen und mit neuer Energie in den nächsten Lebensabschnitt zu starten.
Gleichzeitig machte ich von der freien Zeit Gebrauch, um mich fachlich weiterzuentwickeln. Ich nahm an praktischen Weiterbildungskursen teil, vertiefte bereits vorhandene Fertigkeiten und erwarb zusätzliche Qualifikationen. Rückblickend war dies eine sehr gute Entscheidung, denn mit Beginn der Facharztweiterbildung verändert sich der berufliche Alltag grundlegend. Dienste, OP-Programme und ein eng getakteter Arbeitsplan lassen deutlich weniger Raum für Fortbildungen oder spontane Reisen.
Mein Berufsstart führte mich schließlich in die universitäre Herzchirurgie. Gerade in einem der anspruchsvollsten Fachgebiete der Medizin habe ich schnell erkannt, wie wertvoll jede zusätzliche praktische Erfahrung und jede absolvierte Fortbildung sein können.
Kein Leerlauf, sondern wertvolle Übergangsphase
Deshalb kann ich allen angehenden Kolleginnen und Kollegen mit auf den Weg geben: Betrachtet die Zeit zwischen Studienabschluss und Arbeitsbeginn nicht als Leerlauf. Sie bietet eine einmalige Gelegenheit, Organisatorisches in Ruhe zu erledigen, neue Erfahrungen zu sammeln, sich fachlich weiterzuentwickeln und mit einem klaren Kopf in das Berufsleben zu starten. Ich habe diese Zeit ganz bewusst genutzt – eine Entscheidung, die ich jederzeit wieder genauso treffen würde.
Der erste Arbeitstag markiert den Beginn eines neuen Lebensabschnitts – und wer diese Wochen sinnvoll nutzt, startet nicht nur besser vorbereitet, sondern auch mit mehr Gelassenheit und Zuversicht in den ärztlichen Alltag.
So begann schließlich mein erster Arbeitstag in der Herzchirurgie. Nach der Begrüßung im Team und der organisatorischen Einführung folgten die ersten Einblicke in die Abläufe auf Station, im Operationssaal und auf der Intensivstation. Bereits in den ersten Tagen wurde deutlich, wie anspruchsvoll und abwechslungsreich die Facharztweiterbildung ist. Gleichzeitig merkte ich, wie hilfreich die Wochen vor dem Arbeitsbeginn gewesen waren: Organisatorisches war bereits erledigt, und durch die zuvor absolvierten Kurse sowie meine praktischen Erfahrungen konnte ich mich von Beginn an ganz auf die neuen Aufgaben konzentrieren. So startete ich gut vorbereitet und mit großer Motivation in meine Weiterbildung.
