Mnenotechnik und Co. – Lerntechniken für Studierende

Lerntipps machen die Prüfungsvorbereitung einfacher | Foto: BillionPhotos.com/Fotolia.com
Das beste Zeitmanagement ist wertlos, wenn es mit dem Lernen selbst nicht klappt. Damit Lernfrust möglichst gar nicht aufkommt, haben wir in diesem Artikel eine Reihe bewährter Lerntechniken und Gedächtnisübungen - auch als Mnenotechniken bekannt - zusammengetragen.

Zum Start: Gut strukturiert ist halb gelernt

Lernstoff, den man klar durchstrukturiert, lässt sich leichter behalten. Erste Aufgabe ist es also, den aktuellen Lernstoff in sinnvolle Lernblöcke zu untergliedern. Eine grobe Unterteilung kann man sich zunächst an der Einteilung von Vorlesungen oder Kapitelüberschriften in Lehrbüchern abgucken. Ein Lernblock sollte nicht mehr als 60 Minuten umfassen. Danach ist eine Pause von 15  Minuten empfehlenswert. Sofern möglich, ist es geschickter, wenn du von Lernblock zu Lernblock inhaltliche Abwechslung schaffst.

Menschen lernen verschieden. Daher gibt es nicht nur den „einen Weg“ für alle, um sich erfolgreich den Stoff anzueignen. Vielmehr existieren zahlreiche, oft sehr unterschiedliche Techniken. Und nicht jede Methode taugt für die verschiedenen Arten des Lernens, etwas das Lernen aus Texten.

Einige Lerntechniken im Überblick:

Mind-Mapping

Das Mind-Mapping ist insbesondere hilfreich, wenn viele Informationen und Unterpunkte eines Themengebietes im Gedächtnis verankert werden sollen. Dies geschieht mit Hilfe von sogenannten „Mind Maps“, also von Schaubildern, die man zu einem Themenkomplex anlegt. Formal gesehen sind Mind Maps beschriftete Baumdiagramme. Zusätzliche Anmerkungen erläutern Inhalte und Prozesse. Zusammenhänge lassen sich durch gegenseitige Verknüpfungen darstellen.

Im Gegensatz zum Brainstorming, bei dem eine Reihe von unsortierten Begriffen produziert und anschließend mit der Pinnwandmoderation sortiert wird, wird bei der Mind Map von Beginn an eine vernetzte Struktur erzeugt. Eine Mind Map eignet sich auch zur Dokumentation der sortierten Fassung eines Brainstormings.

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Besonders hilfreich sind Mind-Maps beispielsweise im Fach Biochemie, um sich Stoffwechselvorgänge einzuprägen. Viele Lernskriptreihen (z.B. mediLearns Biochemie) haben bereits fertige Mind-Maps, die man sich zu Hause aufhängen kann.

Loci-Methode

Diese Methode eignet sich insbesondere für das Auswendiglernen vieler Informationen und arbeitet anhand von Vorstellungsbildern, die an bestimmten Orten „abgelegt“ werden und beim Gedanken an diesen Ort wieder auftauchen. Indem man Begrifflichkeiten mit Gegenständen innerhalb eines Raumes verknüpft und diesen dann später gedanklich von Gegenstand zu Gegenstand abgeht, lernt man leichter und vermeidet es, Lerninhalte zu „übersehen“. Einige Studierende prägen sich so im Fach Anatomie die zahlreichen Abgänge von Nerven und Arterien ein und können sie in den Testaten so leicht abrufen.

Weitere Gedächtnismethoden

Wem die Loci-Methode noch nicht ganz zusagt, oder wer gern noch ein paar mehr Anregungen wünscht, kann sich auch mit weiteren Techniken zum Speichern einzelner Informationen beschäftigen. So gibt es die Möglichkeit der Geschichtentechnik. Hierbei denkt man sich eine Geschichte aus, in die man Lerninhalte einbaut und sie sich durch den chronologischen Ablauf besser merken kann. Ähnlich funktioniert das Arbeiten mit Akronymen. Ein kurzes Beispiel hierfür ist E.V.A. – Das Akronym steht für “Eingabe – Verarbeitung – Ausgabe” und stammt noch aus den frühen Zeiten der Informatik.

In einigen Lernskripten stehen auch Merksätze, wie zum Beispiel für die Auskultationsorte von Herzklappen: “Anton Pulmann trinkt drei Liter Milch um 22:45 Uhr.” Mit dem Spruch kann man sich leicht einprägen, dass die Aortenklappe im 2. Interkostalraum (ICR), die Pulmonalklappe im 2. ICR, Trikuspidalklappe im 4. ICR, die Mitralklappe im 5. ICR und der sogenannte Erb-Punkt im 3. Interkostalraum links abzuhören sind. Eselsbrücken gibt es viele in der Medizin!

5-Fächer-Karteikarten-System

Eine beliebte Lernmethode um Fakten, Schlagwörter oder Definitionen auswendig zu lernen, ist das 5-Fächer-Karteikarten-System. Auf der einen Seite einer Karte steht die Frage und auf der anderen Seite die Antwort. Sobald eine Frage richtig beantwortet ist, wandert sie ein Fach weiter. Zuerst sind alle Karten im ersten Fach. Hat sich nach einiger Zeit das erste Fach geleert, geht man das zweite Fach durch. Werden die Frage hieraus richtig beantwortet, wird die entsprechende Karte in das nächste Fach gesteckt, ansonsten muss sie zurück ins erste Fach. So behält man auf sehr einfache Weise den Überblick darüber, welche Begriffe man bereits fest verinnerlicht hat und welche noch zu üben sind. Allgemein sind Karteikarten insbesondere in der Vorklinik in Fächern wie Anatomie oder Physiologie bei Studierenden beliebt.

Lernen nach Lerntyp

Manche Wörter und Begriffe, vor allem in der Medizin, kann man sich partout nicht merken. Hier empfiehlt sich das Lernen nach Lerntyp. Menschen lassen sich – je nach präferiertem Wahrnehmungssinn, grob in drei Gruppen unterteilen: in „visuell“, „auditiv“ und „kinesthetisch“. Das bedeutet für das Lernen, dass sich manche Menschen jeweils Inhalte besser merken können, wenn sie beim Lernen eben diesen Sinn ansprechen.

So lernen visuell veranlagte Menschen erheblich besser, wenn sie einen Themenkomplex in einer Grafik bzw. einem Schaubild dargestellt bekommen. Visuelle und auditive Lerntypen haben es leichter, diese Lernmethode in die Praxis umzusetzen, weil viele Lerninhalte als Text oder Audio vorhanden sind. Kinesthetische Lerntypen haben es da um einiges schwerer, den Lernstoff „fühlbar“ aufzubereiten. Als kinesthetischer Lerntyp sollte man daher öfter die Lernumgebung wechseln und dann über jeweils unterschiedliche Assoziationen Lerninhalte  abrufbar machen.

Und jetzt: Wiederholen

Jeder Stoff, egal mit welcher Technik angeeignet, muss wiederholt werden. Daher sollte man von Beginn an Wiederholungsphasen in den Zeitplänen berücksichtigen. Ein Wiederholungsplan kann etwa so aussehen: Jeden Vormittag eine Wiederholungseinheit für den Stoff des vorherigen Tages, am Ende jeder Woche eine Wiederholung des Lernstoffes der Woche, am Ende eines Monats eine Wiederholung des in diesem Monat gelernten und vor der Prüfung eine – obligatorische – Wiederholung des gesamten Stoffes.

Das Wiederholen sollte aktiv gestaltet sein, etwa mithilfe der besprochenen Lernkarten. Ähnliche Inhalte sollten nicht direkt hintereinander gelernt oder wiederholt werden. Die Wiederholungsphasen sollten angenehm und abwechslungsreich gestaltet sein.

Für die Examensvorbereitungen gilt: Kreuzen, kreuzen und nochmal kreuzen. Dabei kann man am besten erkennen, ob man das Erlernte auch im Multiple-Choice-Prüfungsmodus anwenden kann.

Die Pause als Lernmethode

Es hilft, dem Gehirn kurze Verschnaufpausen zu gönnen und nicht stundenlang durchgehend zu lernen. Diese Pausen wirken regenerativ, bauen Stress ab und: das Lernen nach der Pause gestaltet sich dann wieder deutlich effektiver. Wichtig: In den Pausen keine anderen Informationsquellen benutzen, keine Nachrichten gucken, keine Themen aus anderen Fachgebieten lernen. Das liegt daran, dass themenfremder Input mit Informationen neu Erlerntes im Hirn überschreibt. Dies gilt es auch für andere Medien oder beispielsweise Smartphone-Spiele.

„Urlaub“ vom Lernen nehmen

Man sollte vor allem während längerer Lernphasen immer ein bis zwei Tage in der Woche einplanen, in denen man sich vom Lernen “frei nimmt”.  Die Pause und die dadurch resultierende Abwechslung helfen, „durchzuatmen“. Man tankt neue Energie und – auch das ist nicht zu unterschätzen – betrachtet sein Lernvorhaben „aus der Distanz“. Dadurch entdeckt man neue Fragestellungen und eventuell auch Lücken im Lernplan, den man sich gesteckt hat.

Power Napping

Der kurze Mittagsschlaf, der sogenannte „Power Nap“, hilft, den Kopf wieder frei zu bekommen. Aber: Nur kurzer Schlaf ist guter Schlaf! Alles was eine halbe Stunde überschreitet, ist kontraproduktiv.

Das kurze Schläfchen zwischendurch wurde in zahlreichen Studien untersucht. Diese Erkenntnisse gelten als gesichert: Es wirkt sich positiv auf das Kurzzeitgedächtnis aus. Es steigert die Leistung. Es macht gute Laune: Wer wenig geschlafen hat, ist schnell gereizt. Es beugt Erschöpfungszuständen vor.

Last but not least: Schlafen nicht vergessen!

Am Schlafen zu sparen, wirkt sich langfristig negativ auf den Lernerfolg aus. Im Schlaf regeneriert man, das Gehirn verfestigt und verarbeitet das über den Tag Erlernte. Deswegen ist Schlaf gerade in Phasen des Lernens besonders wichtig. Daher die Faustregel:  Vor der Prüfung besser länger als kürzer schlafen!

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