Die Schikanen haben schwerwiegende Folgen für die Opfer: Häufig wirken sie sich negativ auf die Gesundheit der Betroffenen aus. Sie können Traumata und seelische Erkrankungen auslösen, wie Depressionen oder Burnout. Betroffene sehen sich nicht selten dazu gezwungen, zu kündigen. Doch auch die Arbeitgeber erleben die Nachteile des Mobbings, wenn die Arbeitsmotivation sinkt und die Arbeitsatmosphäre der Mitarbeitenden durch das toxische Verhalten belastet wird.
Mobbing erkennen
Mobbing fängt oft klein an, ist aber ein gezielter Angriff auf die Person und ihr soziales Ansehen, wenn z. B. Gerüchte verbreitet werden, sie vor anderen gedemütigt, lächerlich gemacht, Schwächen ausgenutzt oder sie bloßgestellt wird. Auch sexuelle Andeutungen oder Annäherungen oder Kritik am Privatleben zählen zu Mobbing. Wird etwa der Kontakt verweigert, man von Gesprächen ausgeschlossen, ständig unterbrochen, angeschrien, mit abwertender Gestik und Mimik bedacht, ist man Opfer des toxischen Verhaltens. Dazu gehört auch die Abwertung von Leistungen, der Entzug von Zuständigkeiten, das Vorenthalten von Informationen und die Zuteilung sinnloser und kränkender Aufgaben. Und natürlich wird die Androhung körperlicher Gewalt, das absichtlich Herbeiführen von Stress und direkte Gewalt als Mobbing gewertet. Die Aufzählung zeigt, dass sich Mobbing sehr vielfältig und auf unterschiedlichen Ebenen abspielen kann. Darum passiert es nicht selten, dass Menschen erst nach einer Weile merken, dass sie betroffen sind.
Mobbing im Gesundheitswesen weit verbreitet
Geht man der Frage nach, wie es mit Mobbing im Gesundheitswesen aussieht, bietet sich ein düsteres Bild. Traurige Tatsache ist, dass es sich hier keinesfalls um einen Einzelfall, sondern um ein generelles Problem handelt. Bereits im Jahr 2002 stellte ein Mobbing-Report der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) dar, dass in Deutschland bereits damals rund 1,5 Millionen Beschäftigte täglich am Arbeitsplatz gemobbt werden. Eine kleine Umfrage des Deutschen Pflegetages Anfang 2019 offenbarte: Ein Großteil der 190 befragten Pflegekräfte erlebt im Arbeitsalltag Verhalten, das eindeutig unter Mobbing fällt. Das Phänomen ist nicht auf Deutschland beschränkt: Eine 2012 erschienene britische Studie belegt, dass im englischen Gesundheitssystem 22 Prozent der Medizinerinnen und Mediziner Mobbing, Belästigung oder Missbrauch durch andere Mitarbeitende erleben.
Krankenhäuser müssen bessere Arbeitsatmosphäre schaffen
Viele Ärztinnen und Ärzte zeigen immer noch starkes Konkurrenzdenken, konzentrieren sich eher auf Unzulänglichkeiten anderer Teammitglieder und haben früh gelernt, keine Fehler und Schwächen zuzugeben. Das setzt sie und andere sehr unter Druck und schafft eine negative Arbeitsatmosphäre. Hier kann es sich lohnen, zunächst über das eigene Verhalten zu reflektieren.
Betroffene Krankenhäuser müssen sich dringend um besser Lösungen bemühen, denn sowohl ihre Mitarbeitenden als auch die Patientenversorgung leiden darunter. Zudem ist damit zu rechnen, dass die Probleme nicht weniger werden. In Teams, die immer interprofessioneller und multikultureller werden, steigt auch das Konfliktpotenzial. Nur durch eine gute Kommunikation, Führung, die sich klar gegen Fehlverhalten abgrenzt und in einer vertrauensvollen Arbeitsatmosphäre lässt sich Mobbing erfolgreich entgegenwirken.