Uni Würzburg: Virtuelle Prüfung im Medizinstudium

© Halfpoint – Adobe Stock
Virtual Reality (VR) gibt es mittlerweile nicht nur beim Gaming, sondern auch in der Medizin. An der Universität Würzburg kommt sie auch bei Prüfungen für Medizinstudierende zum Einsatz. Aber wie sieht diese Prüfung aus und was müssen die Studierenden leisten?

Der Ort: die Notaufnahme. Der Fall: eine Patientin mit Bauchschmerzen. Nach der Verabreichung von Schmerzmitteln verschlechtert sich ihr Zustand. Es kommen die Symptome Ausschlag, Atembeschwerden und Kreislaufprobleme neu hinzu. Insgesamt 136 Medizinstudierende an der Universität Würzburg mussten sich bei der OSCE mit der Diagnose und passenden Behandlung dieses Falls im Sommersemester 2023 auseinandersetzen.

Virtuell ist (fast) alles möglich

Objective Structured Clinical Examination (OSCE) – so heißt die standardisierte klinisch-praktische Prüfung, die im Parcoursformat stattfindet. Medizinstudierende im zehnten Semester müssen neun unterschiedliche Stationen absolvieren. Mit dieser Prüfung sollen die Kompetenzen, die im späteren klinischen Berufsalltag notwendig sind, möglichst realitätsnah überprüft werden.

Die Besonderheit: Die Hälfte der Prüflinge stellt sich der Prüfung in der virtuellen Realität. Dazu setzen sie eine VR-Brille auf, verwenden zwei Controller in den Händen und können dann das Patientenzimmer virtuell betreten. Dort haben viele Möglichkeiten:

  • Atemgeräusche mit dem Stethoskop abhören
  • Blut abnehmen
  • Laboruntersuchungen und weitere Diagnostik anfordern
  • Infusionen legen
  • Medikamente aus dem Schrank holen und verabreichen

Alles findet computergeneriert statt. Die Prüfungsszenarien sind VR-basiert und gehören zum Notfalltraining STEP-VR (Simulation-based Training of Emergencies for Physicians using Virtual Reality), das die Universität Würzburg zusammen mit dem Unternehmen ThreeDee entwickelt hat.

viruelle Prüfung Medizinstudium
Links: Virtuelle Patientin im VR-Szenario. Rechts: Schauspielperson im klassischen Prüfungsaufbau. © Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Die Vorteile der virtuellen Prüfung

„Uns eröffnet sich so eine völlig neue Palette an komplexen Szenarien, die man mit Schauspielpersonen und Puppen nicht simulieren kann. Einen Schauspieler kann ich nicht beatmen, kann ihm keine Medikamente geben. Auch bestimmte Symptome kann ein eigentlich gesunder Mensch ja nicht einfach vortäuschen“, zählt Dr. Tobias Mühling, Leiter der Arbeitsgruppe „Virtual Reality-Simulation im Medizinstudium“ die Vorteile der virtuellen Prüfung im Medizinstudium auf.

Außerdem seien die Aufgaben und deren Umsetzung standardisiert und somit gut vergleichbar. Schauspielerische Leistungen könnten bei jeder Prüfung variieren, die virtuelle Patientin hingegen sei bei jedem Prüfling identisch. Bei der bisherigen OSCE mussten die Medizinstudierenden eine ausführliche Checkliste abarbeiten, anhand derer sie bewertet wurden. „Wir arbeiten an einer automatischen Auswertung, bei der das Programm die einzelnen Punkte selbst erkennt und abhakt. Die Prüfenden müssten die korrekte Erfassung nur abschließend kontrollieren und können sich ansonsten voll auf die Beobachtung und faire Leistungsbeurteilung der Studierenden konzentrieren“, erklärt Mühling den Plan der virtuellen OSCE.

Direkte Kommunikation noch nicht möglich

Zwar sind die Vorteile klar erkennbar, doch die virtuelle Prüfung funktioniert nicht in allen Aspekten. Denn bisher fehle die Möglichkeit zur Kommunikation mit dem Patienten oder der Patientin. Für Aufgaben, bei denen die Anamnese und die Kommunikation im Vordergrund stehe, eigne sich das Format also eher nicht. Aus diesem Grund liege der Fokus bewusst auf Themen wie der klinischen Entscheidungsfindung bei Diagnostik und Stabilisierungsmaßnahmen.

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„Ein so systematischer Einsatz von VR in Prüfungssituationen der Medizin ist bisher nicht berichtet – gerade in Deutschland sind wir da sicherlich ganz vorne mit dabei“, sagt Professorin Sarah König, Leiterin des Instituts für Medizinische Lehre und Ausbildungsforschung und Studiendekanin der Medizinischen Fakultät.

Auch die Studierenden sind von der virtuellen Prüfung im Medizinstudium positiv angetan. Aus ihrer Sicht seien die Szenarien realistisch und sowohl die inhaltliche Relevanz als auch die Benutzung und Funktionalität seien gut.

Derzeit wertet die Universität Würzburg die gewonnenen Daten der Prüfungen aus. Ziel ist es festzustellen, ob mit der virtuellen Station faire und reproduzierbare Prüfungsergebnisse erzielt werden können. Bis zum Jahresende sollen die Ergebnisse vorliegen.

Eine Beispiel-Situation für STEP-VR findest du in diesem Video:

Quelle: Universität Würzburg

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