Frauen in der Herzchirurgie

Operation Karriere-Bloggerin Julia
Herzchirurgie – technisch anspruchsvoll und noch immer männlich dominiert. Unsere Bloggerin Julia erzählt, wie sie ihren Weg in dieses Fach gefunden hat, welche Rolle internationale Erfahrungen und Netzwerke spielen und warum sie sich für mehr Sichtbarkeit und Förderung von Frauen in der Herzchirurgie einsetzt.

Schon früh als Kind stand für mich fest, dass ich einmal Herzchirurgin werden möchte – in einem Fach, das bis heute zu den technisch anspruchsvollsten und zugleich männlichsten Disziplinen der Medizin zählt. Die Kombination aus chirurgischer Präzision, komplexen Operationsabläufen und der unmittelbaren Verantwortung für das Leben von Menschen hat mich von Anfang an fasziniert. Diese Begeisterung hat mich durch mein gesamtes Medizinstudium begleitet und meinen beruflichen Weg nachhaltig geprägt.

Noch immer wenig Frauen in der Herzchirurgie

Gleichzeitig war mir früh klar, dass Frauen in der Herzchirurgie nach wie vor deutlich unterrepräsentiert sind. Weltweit liegt der Frauenanteil in der Herzchirurgie bei etwa 15 bis 20 Prozent, in Deutschland auf vergleichbarem Niveau. In leitenden Positionen sind Frauen weiterhin die Ausnahme. Zwar gibt es zunehmend sichtbare Fortschritte, etwa durch Frauen, die erstmals die Leitung herzchirurgischer Zentren übernehmen, doch insgesamt bleibt der Weg in Führungspositionen in diesem Fach anspruchsvoll und selten vorgezeichnet.

Für mich sind diese Entwicklungen mehr als reine Zahlen. Sie sind Motivation und Ansporn zugleich. Sie zeigen, dass es möglich ist, Verantwortung zu übernehmen, den eigenen Weg konsequent zu gehen und gleichzeitig Strukturen mitzugestalten, von denen kommende Generationen profitieren.

Netzwerke als wichtiges Element

Mein eigener Weg führte mich in meinem Studium bisher durch zahlreiche klinische Praktika und Forschungsaufenthalte in Deutschland, der Schweiz, den USA und Kanada, unter anderem an Einrichtungen wie der Mayo Clinic in Rochester sowie in Austin, Boston und Toronto. Diese Stationen haben mir eindrücklich gezeigt, wie unterschiedlich Kliniken und Ausbildungssysteme strukturiert sein können. Während an manchen Orten strikte Hierarchien den Alltag bestimmen, fördern andere gezielt eine offene, kooperative Zusammenarbeit. Überall jedoch habe ich gelernt, dass Engagement, Sichtbarkeit und Vernetzung entscheidende Faktoren sind, um in einem anspruchsvollen Fach wahrgenommen zu werden und sich weiterzuentwickeln.

Aus diesem Grund engagiere ich mich aktiv in Netzwerken, die den Austausch zwischen Chirurginnen fördern, sowie in Initiativen, die auf frauenspezifische Herzgesundheit aufmerksam machen. Mentoring, Kooperation und gegenseitige Unterstützung sind für mich keine abstrakten Konzepte, sondern gelebte Praxis. Sie helfen, Hürden abzubauen, Orientierung zu geben und jungen Medizinerinnen Perspektiven in einem Fach aufzuzeigen, in dem weibliche Vorbilder bislang noch selten sind. Außerdem ermöglichen sie Zugang zu Wissen und ehrlichem Feedback – beides Faktoren, die gerade zu Beginn einer chirurgischen Laufbahn entscheidend sein können.

Auch international sind positive Entwicklungen erkennbar. Immer mehr Weiterbildungsprogramme setzen auf strukturiertes Mentoring, individuelle Förderung und zunehmend auch auf flexiblere Arbeitsmodelle. Fachgesellschaften wie die European Association for Cardio-Thoracic Surgery (EACTS) oder die Society of Thoracic Surgeons (STS) unterstützen junge Chirurginnen und Chirurgen aktiv dabei, sich fachlich weiterzuentwickeln, Netzwerke aufzubauen und langfristige Karrierewege zu gestalten.

Mein persönliches Ziel in der Herzchirurgie

Trotz der hohen fachlichen und persönlichen Anforderungen eröffnet die Herzchirurgie durch Vielfalt neue Perspektiven und Chancen. Unterschiedliche Erfahrungen und Blickwinkel bereichern die Teamarbeit, fördern Innovationen und tragen zu einer offenen, lernorientierten Kultur bei. Für mich ist die Herzchirurgie deshalb nicht nur technisch faszinierend, sondern auch menschlich anspruchsvoll und erfüllend.

Mein Ziel ist klar: Ich möchte eines Tages selbst Verantwortung in einer leitenden Position übernehmen und junge Frauen ermutigen, ihren eigenen Weg in der Herzchirurgie zu gehen. Die Förderung der nächsten Generation, die Sichtbarkeit weiblicher Perspektiven und der Ausbau chancengerechter Strukturen im Fach sind für mich nicht nur berufliche Ziele, sondern eine persönliche Verpflichtung.

Wenn ich heute auf meinen bisherigen Weg blicke, weiß ich, dass sich jede Herausforderung gelohnt hat – und dass mein Platz in der Herzchirurgie genau hier ist: mit Verantwortung, Haltung und einem klaren Blick nach vorn.

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