Während der Pandemie in Deutschland

Als Ärztin aus dem Ausland nach Deutschland zu kommen, ist schon genug Herausforderung. Wenn das dann noch während einer Ausnahmesituation wie der Corona-Pandemie passiert, bedeutet das noch mehr Belastung. Unsere Bloggerin Lathy hat genau in dieser Zeit mit ihrer ärztlichen Arbeit in Deutschland begonnen. Wie sie ihren Arbeitsalltag damals empfunden hat, beschreibt sie in ihrem aktuellen Beitrag.

Alles begann im Juli 2019. Ich war voller Freude und Optimismus, mit einem kalten und gleichzeitig warmen Gefühl. Alles war neu. Ich war so glücklich, nach Deutschland zu fliegen, obwohl ich keine Verwandten hier hatte. Ich war froh, endlich ein Abenteuer zu erleben, neue Freundinnen und Freunde kennenzulernen, die Kultur zu entdecken und vor allem meinen Traum zu verwirklichen, Kardiologie zu machen.

Nach 3 Stunden und 30 Minuten Flug mit Lufthansa kam ich endlich in Deutschland an. Im selben Monat begann ich mit einem Kurs zur Vorbereitung auf die Fachsprachprüfung und lernte neue Leute kennen. Bis dahin war alles sehr gut.

Eine neue Angst

Nach ein paar Monaten hörten wir dann von diesem sogenannten Virus. In allen Medien wurde nur noch darüber gesprochen. Auf den Straßen konnte man sehen, wie frustriert die Menschen waren. Die Gesichter waren voller Angst. Man durfte vor anderen Menschen nicht husten oder niesen, wer es doch tat, wurde sofort gemieden. Krank zu sein, selbst mit einfachen Erkältungssymptomen, war zu dieser Zeit ein absolutes Tabu.

Ich erinnere mich daran, als wäre es gestern gewesen. Es war mein erstes Jahr in Deutschland. Nach den Kursen begann ich meine erste Hospitation im Krankenhaus. Ich wollte das deutsche Gesundheitssystem endlich kennenlernen. Masken wurden im Krankenhaus zwar schon vorher getragen, aber zu dieser Zeit waren sie Pflicht. Wissenschaftler, Ärztinnen und Ärzte, Städte und die Regierung, alle suchten nach einer Lösung. In ihren Augen sah man Hoffnung, aber auch Angst. Alle wollten wieder ein normales Leben führen. Ein Leben, in dem man Studierende zusammen auf der Straße sitzen und Bier trinken sah, in dem man das laute Lachen von Kindern hörte, in dem Menschen bei einer Erkältung ohne Probleme niesen konnten. Eine Zeit, in der Ärztinnen, Ärzte und Pflegekräfte ihre Schichten ohne Quarantäne leisten konnten.

Das war die Zeit, in der die Menschheit von diesem Virus noch nicht vollständig betroffen war. Eine Zeit, in der Liebe nur eine Sprache kannte und Frieden unsere Routine war. Doch alles veränderte sich sehr schnell. Das Virus ließ sich nicht mehr verbergen, denn es hatte sich über den ganzen Planeten verbreitet.

Eine seelisch belastende Zeit

Im Krankenhaus war jeden Tag sehr viel los. Es gab so viele Fälle, viele davon schwer. Besonders betroffen waren ältere Menschen. Es war sehr schwer, Omas und Opas in kritischem Zustand zu behandeln. Jeden Tag mussten viele Krankenhäuser melden, dass sie vollständig ausgelastet waren. Menschen mit leichten Symptomen wurden nach Hause geschickt und mussten dort in Quarantäne bleiben.

Die Tage im Krankenhaus waren sehr lang. Alle wollten dringend eine Lösung finden. Auf den Krankenhausfluren hörten wir das Weinen vieler zerbrochener Familien, die ihre Angehörigen verloren hatten. Das war schrecklich zu erleben. Ich erinnere mich auch daran, wie überall Angst herrschte, im Supermarkt, in der Schule, im Büro, im Zug. Langsam begann das Abstandhalten. Wir waren nicht nur körperlich voneinander distanziert, sondern auch seelisch.

Eines Tages kam endlich eine gute Nachricht. Unsere Wissenschaftler hatten intensiv geforscht und eine Impfung entwickelt. Für alle war das ein Neuanfang, die Hoffnung, endlich wieder gesund zu leben. An alle Ärztinnen und Ärzte, Pflegefachkräfte, Reinigungskräfte, Küchenpersonal, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Polizistinnen und Polizisten, Mitarbeitende in Seniorenheimen sowie Lehrerinnen und Lehrer, die unsere Kinder in dieser Zeit unterrichtet haben und an alle, die ich vergessen habe zu erwähnen. Vielen Dank.

Wie hast du deine Coronazeit erlebt und wo warst du in dieser Zeit?

Dieses Thema war mir sehr wichtig, weil es eine schreckliche Erfahrung war. Zum Glück ist diese Zeit vorbei, aber leider hat sie viele psychische Probleme verursacht.

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