Auslandsaufenthalte, Forschungsprojekte und klinische Praktika an renommierten Kliniken sind für Medizinstudierende nicht nur wichtige Karriereschritte, sondern einmalige Chancen, Wissen zu vertiefen, praktische Fertigkeiten zu entwickeln und internationale Netzwerke aufzubauen. Gleichzeitig stellen die Finanzierung und Organisation solcher Projekte oft große Herausforderungen dar. Aus eigener Erfahrung möchte ich Strategien und Tipps weitergeben, die helfen können, diese Hürden zu überwinden – schon beginnend in der Schulzeit.
Von Nachhilfe bis SkillsLab
Meine ersten Erfahrungen mit Verantwortung und eigenständiger Arbeit sammelte ich bereits mit 13 Jahren, als ich Nachhilfe an meinem Gymnasium für jüngere Schüler in Gruppen von bis zu fünf Personen gab. Ich unterstützte sie in allen Fächern und lernte, Inhalte verständlich zu vermitteln, auf individuelle Lernbedürfnisse einzugehen und Gruppen effizient zu betreuen. Diese frühen Erfahrungen legten das Fundament für spätere pädagogische und organisatorische Fähigkeiten, die sich im Studium als unschätzbar wertvoll erwiesen.
Während des Medizinstudiums boten sich zahlreiche Möglichkeiten, diese Fähigkeiten weiter auszubauen und gleichzeitig praktische Erfahrung zu sammeln. Ich arbeitete als Tutorin in der Anatomischen Propädeutik, im Anatomischen Präparierkurs und in Biochemie-Tutorien, um Studierende auf das erste Staatsexamen, das Physikum, vorzubereiten. Im SkillsLab unterrichtete ich chirurgische Nahttechniken, Laparoskopie, Knotenkurse, Sonografie und EKG, teilweise für Studierende, die schon weiter im Studium waren. Diese Tätigkeiten ermöglichten nicht nur finanzielle Unterstützung, sondern vertieften auch meine fachlichen Kenntnisse und meine pädagogischen Kompetenzen.
Ein zentraler Bestandteil meiner Ausbildung ist die Arbeit in der Herzchirurgie. Seit fast vier Jahren bin ich 19 Stunden pro Woche klinisch und in der Forschung tätig. Diese Kombination aus Praxis und Wissenschaft vermittelt tiefgehende Einblicke in hochspezialisierte Abläufe, schärft analytische Fähigkeiten und stärkt die Kompetenz in der Patientenversorgung. Parallel dazu engagiere ich mich im Verein Chirurginnen e.V. und während des Studiums habe ich weiterhin Nachhilfe angeboten, um andere Studierende und Schüler zu unterstützen und eigene Ressourcen zu sichern.
Früh beginnen lohnt sich
Die Umsetzung von Auslandsaufenthalten und Forschungsprojekten wäre ohne gezielte finanzielle Unterstützung kaum möglich gewesen. Besonders hilfreich war für mich das Herzchirurgische Stipendium der Bonner Universitätsstiftung, das mich finanziell unterstützte. Ebenso wertvoll war die kontinuierliche Unterstützung meiner Familie, insbesondere meiner Eltern, die mich sowohl finanziell als auch moralisch begleitete.
Mein persönlicher Rat an Medizinstudierende lautet: Beginnt früh, Verantwortung zu übernehmen und praktische Erfahrungen zu sammeln. Bereits kleine Tätigkeiten wie Nachhilfe oder Tutorien können langfristig den Weg für größere Projekte ebnen. Sucht aktiv nach Stipendien und Förderprogrammen, plant eure Projekte sorgfältig und nutzt jede Gelegenheit, eure Kenntnisse in klinischer Praxis und Forschung zu vertiefen. Jede Tätigkeit, die ihr übernehmt, zahlt nicht nur auf eure fachliche und persönliche Entwicklung ein, sondern erleichtert auch die Finanzierung zukünftiger Vorhaben.
Mit Engagement, Struktur und der Unterstützung von Mentoren und Familie lassen sich selbst anspruchsvolle Projekte realisieren. Wer früh beginnt, sich aktiv einzubringen und seine Fähigkeiten kontinuierlich auszubauen, erlebt nicht nur berufliche Chancen, sondern auch die Freude und Motivation, die entstehen, wenn man mit Herzblut seine eigenen Ziele verwirklicht.
