Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Polizei und Bundespolizei?
Andreas Irmler: Einfach gesagt: Als Nachfolgeorganisation des Bundesgrenzschutzes sichert die Bundespolizei die deutschen Grenzen. Diese Behörde ist aber auch zuständig für grenzüberschreitende Straftaten. Die Bundespolizei passt ferner auf die Sicherheit des Flugverkehrs und der Bahn auf, an den Schienen, in den Flugzeugen und Zügen sowie an Flug- und Bahnhöfen. Darüber hinaus obliegt ihr der Schutz wichtiger Ämter und Behörden in ganz Deutschland, wie beispielsweise des Bundeskanzleramts. Seit 2022 unterstützt zudem unser Piraterie-Präventionszentrum die maritime Wirtschaft, um Schiffsentführungen zu verhindern.
Eine große Palette…
Andreas Irmler: Ja, für uns arbeiten auch rund 55.000 Frauen und Männer.
Was sind die Aufgaben Ihrer Einsatzärztinnen und -ärzte?
Andreas Irmler: Sie sind primär für die medizinische Versorgung bei Einsätzen der Bundespolizei da. Im Alltag ohne Einsatzlagen betreuen sie die regionalen Dienststellen und deren Mitarbeitende sowohl hausärztlich kurativ als auch betriebsmedizinisch. Die häufigsten Tätigkeiten finden daher tatsächlich in der Dienststelle und der Sprechstunde statt. Das ähnelt dann stark einer Kassenarztpraxis, in der die Polizeivollzugsbeamtinnen und -beamten allgemeinmedizinisch betreut werden.
Und darüber hinaus?
Andreas Irmler: Unsere Ärztinnen und Ärzte führen arbeitsmedizinische Vorsorge- und spezifische Eignungsuntersuchungen durch. Daneben bleibt Raum für diverse administrative und organisatorische Tätigkeiten. Immerhin leitet jeder und jede von ihnen auch den Polizeiärztlichen Dienst mit mindestens sieben Polizei-Sanitätsstellen und zwei Medizinischen Fachangestellten. Und man berät die jeweiligen Polizeiführer und -innen zu Fragen der medizinischen Absicherung verschiedenster Einsätze.
Welche können das sein?
Andreas Irmler: Dazu gehören beispielsweise Großveranstaltungen und Demonstrationen, aber auch Rettungen aus der Höhe, etwa mit Polizeihubschraubern in Gebirgen, oder aus dem Meer sowie das Vorgehen bei Klimaklebern. Dazu kommt noch die Einsatzunterstützung für andere Behörden oder die Landespolizei. Das kann unter anderem beim Tag der offenen Tür des Bundesministeriums des Innern und des Bundeskanzleramtes sein oder auch bei offiziellen Trauerveranstaltungen verstorbener Persönlichkeiten.
Was macht den Job so besonders?
Andreas Irmler: Die Tätigkeit umfasst unglaublich viele verschiedene Themenbereiche! Die notärztliche Versorgung verschiedenster Einsatzszenarien und auch die Weiterentwicklung der (taktischen) Einsatzmedizin unterscheiden sich deutlich vom Alltag einer regulären Arztpraxis.
Hört sich spannend an…
Andreas Irmler: Ja! Abwechslungsreich sind zum Beispiel Einsätze im Hubschrauber oder die Begleitung von Tauchern auf Binnengewässern oder auf Bundespolizeischiffen in Nord- und Ostsee. Grundsätzlich werden unsere Polizeiärztinnen und -ärzte im ganzen Bundesgebiet und teilweise auch im Ausland eingesetzt, zum Beispiel bei Rückführungsmaßnahmen oder Evakuierungen. Aber auch die Konfrontation mit chemischen, biologischen und radiologischen/nuklearen Gefahrstoffen bis hin zum Lösen von angeklebten Personen gehören zum Aufgabenspektrum.
Wie kann ich mir die medizinische Erstversorgung im Einsatz vorstellen, wenn‘s „brenzlig“ wird?
Andreas Irmler: Bei Gefahr müssen das zunächst die Polizistinnen und Polizisten übernehmen. Dafür haben wir 36.500 neue Erste-Hilfe-Taschen in der Bundespolizei verteilt. Das heißt, alle Polizeivollzugsbeamtinnen und -beamten besitzen ihre eigene Ausstattung, die primär für sie selbst bestimmt ist. Diese vielen tausend Kolleginnen und Kollegen haben wir auch in die Anwendung eingewiesen.
Was befindet sich in der Tasche?
Andreas Irmler: Neben Spezialbandage, Isolier-Rettungsdecke und Infektionsschutzhandschuhen ist auch ein sogenanntes Tourniquet enthalten. Dafür haben wir uns aufgrund der Erfahrungen, insbesondere im Zusammenhang mit terroristischen Anschlägen, entschieden. Solche Abbindesysteme fanden in der Vergangenheit vor allem beim Militär Verwendung. Das Tourniquet wird bei besonders schweren Verletzungen, wie abgerissenen Gliedmaßen oder Schusswunden, an den Extremitäten eingesetzt, um massive Blutungen zu stoppen, die anders – vor allem in Bedrohungssituationen – nicht zu beherrschen sind. Für die Behandlung verletzter Dritter oder die Versorgung einer großen Anzahl von Personen stehen den Dienststellen Erste-Hilfe-Zusatzausstattungen zur Verfügung. Um die Verletzten optimal zu behandeln, sollten diese dann an sichere Sammelstellen gebracht werden.
Wie groß ist das ärztliche Team?
Andreas Irmler: Mit Schwerpunkt Einsatzmedizin der Bundespolizei sind knapp zwanzig Ärztinnen und Ärzte in der ganzen Bundesrepublik verteilt. Insgesamt ist das ärztliche Team jedoch deutlich größer mit circa 70 Fachleuten, die mit anderen Schwerpunktaufgaben in der Arbeitsmedizin, der Sozialmedizin sowie in den Aus- und Fortbildungszentren tätig sind.
Wie sind die Arbeitszeiten?
Andreas Irmler: Die Regelarbeitszeit ist grundsätzlich von 7:00 bis 16:00 Uhr, also 41 Stunden in der Woche. Die Einsätze finden aber auch an Wochenenden statt. Hier fallen gegebenenfalls Mehrarbeiten an, die entsprechend vergütet oder abgebaut werden können.
Was sollten Bewerbende mitbringen?
Andreas Irmler: Sie müssen in Deutschland approbierte Ärztinnen und Ärzte sein mit passender Facharztausbildung, wie Allgemeinmedizin, Orthopädie oder Innere Medizin. Für den Einsatzbereich ist die Zusatzbezeichnung Notfallmedizin obligatorisch. Weiterhin wird die Bereitschaft zur Fortbildung und eine ausreichende physische und psychische Belastbarkeit erwartet. Bei vorgesehener Verbeamtung gilt: grundsätzlich nicht älter als 50 Jahre.
Warum darf ich nicht älter sein?
Andreas Irmler: Das schreibt tatsächlich die Bundeshaushaltsordnung so fest.
Was muss ich noch mitbringen?
Andreas Irmler: Man sollte schon motiviert sein, sich weiterzuentwickeln. Denn man beginnt doch in einem so vielschichtigen Arbeitsumfeld, das sich kaum vergleichen lässt – und insbesondere im Einsatz ist es manchmal auch so anstrengend, wie spannend.
Was hilft mir bei der Einarbeitung?
Andreas Irmler: Während dieser Phase werden Neulinge immer von erfahrenen Kolleginnen und Kollegen eingewiesen und können diese über einen längeren Zeitraum begleiten. Darüber hinaus gibt es Einführungsfortbildungen speziell für Polizeiärztinnen und -ärzte, die den ersten Überblick erleichtern. Es besteht außerdem immer die Möglichkeit, zunächst eine Hospitation in einem Polizeiärztlichen Dienst zu machen, um ganz praktisch zu erfahren, wie das „so läuft“.
Welche Entwicklungs- und Aufstiegsoptionen gibt´s?
Andreas Irmler: Als Einsatzarzt/-ärztin beginnt die Besoldung als Facharzt/-ärztin mit A14 mit Beförderungsoption auf dem gleichen Dienstposten bis A15. Bei Aufstieg zum Leitenden Arzt einer größeren Bundespolizeiabteilung ist auch eine A16 erreichbar. Die Chancen auf eine Karriere in der Bundespolizei stehen wirklich sehr gut. Zurzeit gibt es tatsächlich auch zwei freie Stellen im Einsatzbereich, aber auch in den anderen ärztlichen Fachbereichen.
