Der Vorklinik-Härtetest: das Physikum

Bei unserem Blogger Sebastian steht das erste Staatsexamen an – das Physikum. Welcher Lernplan ist der beste? Wie strukturiert man sich am besten? Und gibt es noch Zeit für Freunde und Entspannung? In seinem neuen Beitrag beschreibt er, wie seine Vorbereitungszeit aussah.

Nach nur ein paar Tagen Pause zwischen letzter Modulprüfung und dem Start des Physikum-Lernplans geht es direkt ohne Gnade los. Ich nutze die freien Tage noch, um in die Berge zu fahren und Familie und Freunde daheim zu sehen. Bis zum ersten Lerntag weiß ich nicht, welchen Lernplan ich nehmen soll. Meine Präferenz ging immer zu dem via medici-Lernplan von Thieme. Als ich meine Kommilitoninnen und Kommilitonen allerdings schon am ersten Tag in der Bib daran verzweifeln sehe, weil der Umfang der einzelnen Tage zu viel ist, entscheide ich mich im letzten Moment für den 30-tägigen Plan von Amboss.

30 Tage Endspurt

Ab jetzt heißt es jeden Tag um 8 Uhr in die Bib und so lange lernen, bis man das Tagespensum erfüllt hat. Tagespensum bedeutet dabei, das für den Tag vorgesehene Thema in einer Online-Lektion durchzuarbeiten und danach die Altfragen aus den Physika der letzten Jahre zu den gelernten Themen der Vortage zu kreuzen. Das dauert mal länger, mal kürzer. Aber um ehrlich zu sein, bin ich die meisten Tage bis 18 Uhr in der Bib. Das liegt auch daran, dass ich mir zum ersten Mal in meinem Leben vorgenommen habe, das Maximale rauszuholen und ein bisschen mehr zu investieren, als ich es sonst getan habe. Wenn man effizient an die Sache rangeht und noch über ein gutes Grundwissen aus den beiden Vorklinik-Jahren verfügt, kann man deutlich an Zeit sparen. Egal für welches Vorgehen man sich entscheidet, man hat die ganze Zeit mit der Ungewissheit zu kämpfen, ob man die Unmenge an Stoff, die man an Tag 1, Tag 2, Tag 7 usw. lernt, sich bis zum Ende merken kann. Denn die Zeit für Wiederholung ist nicht eingeplant. Prinzipiell ist es dann so, dass man Tag für Tag eine Zeile nach der anderen liest und einfach hofft, dass sich das Gehirn das alles irgendwie merkt. Man lernt dabei, auf die enorme Leistungsfähigkeit des Gehirns zu vertrauen. Ich versuche, das so gut es geht zu unterstützen, indem ich in der Zeit auf Alkohol verzichte und mir sonst nichts Größeres vornehme. Was ich zu der Zeit aber leider vernachlässige, ist der Sport. Das würde ich rückblickend anders machen und mein gewohntes Pensum beibehalten, weil ich gemerkt habe, dass ich durch den fehlenden Ausgleich zugleich unproduktiver lerne, auch wenn ich faktisch mehr Zeit dafür habe.
Ein paar Tage Puffer habe ich mir eingeplant, in denen ich teils ein bisschen wiederhole oder auch ganz frei mache und beispielsweise den 90. Geburtstag meines Opas mit ihm feiere.

Zwei Tage schriftliche Prüfung und das Warten auf die mündliche Prüfung

Der schriftliche Teil des Physikums findet an zwei aufeinanderfolgenden Tagen statt. Am Tag davor plane ich eigentlich nichts mehr zu machen und treffe mich mit einem Kumpel noch zum Basketball spielen, um den Kopf frei zu bekommen. Ein paar Kleinigkeiten schaue ich mir trotzdem noch an, mich beruhigt das Gefühl, noch einmal eine kurze Übersicht zu bekommen, auch wenn das natürlich effektiv nichts mehr bringt. Die Nacht davor schlafe ich zum Glück wie gewohnt gut und fühle mich morgens fit. Am ersten Tag wird Physik, Chemie, Biochemie und Physiologie geprüft, der vermeintlich schwerere Teil. Während Prüfungen kann ich mich erfreulicherweise gut konzentrieren und so ist es auch heute. Ich komme gut durch und habe nach Tag 1 ein gutes Gefühl, auch wenn die Physiologie hier und da etwas tricky war. Der restliche Tag nach der Prüfung fühlt sich maximal komisch an und die Kunst liegt im Ablenken. Irgendwie geht der Tag vorbei und ich versuche noch für Psychologie und Soziologie mein Kurzzeitgedächtnis zu aktivieren. Neben PsychSoz wird noch Anatomie am zweiten Tag geprüft, was mir immer ganz gut gelegen hat. Psychologie und Soziologie kann ich nie einschätzen und verlasse mich hier oft auf mein Bauchgefühl, was mal mehr und mal weniger gut funktioniert. Das ist und bleibt auch bis zum Prüfungstag eine Wundertüte.

Nach drei von vier Stunden Prüfung macht sich bei mir langsam die Gewissheit breit, es endlich geschafft zu haben. Ich habe alle Fragen durch und noch eine Stunde Zeit ein bisschen nachzukorrigieren. Es überwiegt aber die Freude und als es so weit ist und wir rausgehen, bin ich vor allem glücklich, endlich nicht mehr jeden Tag von morgens bis abends lernen zu müssen. Was ich dabei aber die ganze Zeit verdrängt habe, ist die mündliche Prüfung, die ich irgendwie als keinen großen Aufwand abgetan habe. Tatsächlich ist die Zeit zwischen schriftlicher und mündlicher Prüfung aber die schlimmste der ganzen Vorbereitungszeit. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass ich mental auf etwas anderes eingestellt war. Ich bekomme den allerersten Prüfungstermin zugelost und muss deshalb glücklicherweise nur gut eineinhalb Wochen warten. Das bedeutet gleichzeitig allerdings eine kürzere Vorbereitungszeit. Für mich ist jedoch das Warten das Schlimmste, weshalb ich froh bin, der Erste zu sein. Auch das Lernpensum reduziere ich im Vergleich zu Vorher deutlich und lege mehr Wert auf Abwechslung durch Freunde treffen und Sport.

Die mündliche Prüfung an sich ist noch einmal eine ganz andere Situation, weil man die Antwort sofort parat haben muss und auch verstehen muss, auf was der Prüfer oder die Prüferin hinaus will. Die Herausforderung ist, möglichst ruhig zu bleiben und sich auf das Wissen zu verlassen, das man sich zwei Jahre lang angeeignet hat. Unangenehme Situationen sind vorprogrammiert, so geht es mir auch während der Prüfung. Insgesamt komme ich aber gut durch und habe das Gefühl, den Großteil  gut beantwortet zu haben.

Die größte Schwachstelle hat, meiner Meinung nach, das Prüfungssystem bei der Mündlichen in der Subjektivität der Bewertung der Prüfer. Die Unterschiede, wie diese ihre Prüfung gestalten, sind enorm. Das reicht von der Vorbereitung bis zur eigentlichen Fragestellung. Manche Prüfer bieten eine Vorbesprechung mit wichtigen Infos an, andere nicht. Wieder andere streichen ganze Themenblöcke, was das Lernen sehr erleichtert. Und letztlich fehlt der Prüfung ein einheitliches Bewertungsschema. Ich störe mich daran, da auf der einen Seite im schriftlichen Teil sehr viel Wert darauf gelegt wird, und auf der anderen der mündliche Teil auf subjektiven Bewertungskriterien baut. Bewertet wird die Gesamtnote mit einer Gewichtung von 50 Prozent der schriftlichen und 50 Prozent der mündlichen Note.

So geht es nicht nur mir, sondern vielen anderen auch, was mir hilft, mich damit abzufinden. Ändern lässt sich das jetzt sowieso nicht mehr. Trotzdem werde ich versuchen auch dieses Thema beim Hartmannbund einzubringen und über diesen Weg dieses Thema anzustoßen.

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Endlich geschafft – ab in den verdienten Sommerurlaub

Das Wichtigste aber ist: es ist endlich wirklich geschafft! Endlich können wir unseren Sommer nachholen und die freien Wochen vor dem Start in den klinischen Abschnitt genießen. Zusammen mit der gesamten Freundesgruppe haben wir ein Haus in der Toskana für eine Woche gemietet, wo wir den ganzen Stress vergessen und uns feiern wollen. Gemeinsam mit drei Kumpels fahre ich schon eine Woche früher los, damit wir rechtzeitig ankommen. Wir haben uns nämlich entschieden, mit den Rennrädern und Zelten anzureisen. Wer Einblicke in unsere Radreise bekommen will, kann auf unserem Insta-Channel (@tourdefüsikum) vorbeischauen, dort haben wir versucht ein paar Momente einzufangen.

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