Das Praktische Jahr markiert für viele den entscheidenden Übergang vom theoretisch geprägten Medizinstudium hin zur eigenständigen ärztlichen Verantwortung für Patientinnen und Patienten. Für mich war diese Zeit eine prägende Phase meines bisherigen Werdegangs – intensiv, fordernd und zugleich außerordentlich bereichernd, sowohl fachlich als auch persönlich.
Mein Praktisches Jahr habe ich insgesamt als sehr lehrreich und entwicklungsfördernd erlebt. Besonders wertvoll waren die aktive Einbindung in klinische Abläufe, das aktive Mitwirken im Team sowie die Möglichkeit, schrittweise Verantwortung zu übernehmen. Durch die Rotationen in zahlreichen verschiedenen Fachbereichen konnte ich mein medizinisches Spektrum gezielt erweitern und praktische Fähigkeiten kontinuierlich vertiefen. Die Kombination aus strukturierter Anleitung und zunehmender Eigenständigkeit habe ich dabei als besonders prägend empfunden.
Die Begeisterung für die Herzchirurgie begleitet mich bereits seit meiner Kindheit. Diese Entscheidung war nie von Zweifel geprägt, sondern entwickelte sich früh zu einer konstanten inneren Überzeugung, die meinen gesamten medizinischen Weg getragen hat. Klinische Erfahrungen haben diese Ausrichtung nicht neu definiert, sondern vielmehr konkretisiert und vertieft, indem sie mir ermöglicht haben, das Fach bereits früh in seiner gesamten Komplexität unmittelbar zu erleben und an einigen der weltweit renommiertesten Institutionen – darunter die Mayo Clinic, das Massachusetts General Hospital der Harvard Medical School sowie das UHN in Toronto – zu lernen.
Neue Erfahrungen in der Schweiz
Ein Bestandteil meines Praktischen Jahres war meine Zeit in der Herzchirurgie in Zürich. Dort hatte ich die Möglichkeit, meine praktischen Fähigkeiten sowohl im operativen Umfeld als auch auf der Station und in der interdisziplinären Zusammenarbeit gezielt zu vertiefen. Durch die offene Teamkultur und die enge Einbindung in klinische Abläufe wurde ich rasch zu einem festen Bestandteil des Teams. Besonders prägend war für mich die Zeit im Operationssaal, in dem ich bis in die späten Abendstunden mitarbeitete – nicht aus Verpflichtung, sondern aus aufrichtiger Faszination und Leidenschaft für die Herzchirurgie. Gerade diese intensive operative Erfahrung hat meinen Wunsch bestärkt, mich langfristig mit voller Überzeugung diesem Fachgebiet zu widmen.
Die Vorbereitung auf das dritte Staatsexamen (M3) war intensiv und geprägt von einer konsequenten, strukturierten Wiederholung klinischer Inhalte sowie dem Arbeiten mit Fallbeispielen. Diese Phase erforderte ein hohes Maß an Disziplin, war jedoch äußerst effektiv für die klinische Anwendung des zuvor Erlernten. Die Prüfung selbst habe ich als sehr fair und konstruktiv erlebt und konnte sie mit sehr gutem Erfolg und der Bestnote abschließen. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir der Moment nach dem Verlassen des Prüfungsraums, als meine Eltern und Freunde auf mich gewartet haben. Dieser Augenblick war für mich sehr bewegend und hat mir noch einmal bewusst gemacht, wie viel Rückhalt und Unterstützung ich auf meinem bisherigen Weg erfahren durfte, wofür ich sehr dankbar bin.
Der Schritt in die Weiterbildung – worauf kommt es an?
Ein entscheidender Schritt im Übergang vom Studium in die ärztliche Tätigkeit ist die Wahl der ersten klinischen Stelle als Assistenzarzt/-in.
Aus meiner Sicht ist es essentiell, sich frühzeitig mit unterschiedlichen Kliniken auseinanderzusetzen, Strukturen zu vergleichen und bewusst zu reflektieren, welches Umfeld zur eigenen beruflichen Entwicklung passt. Dabei spielen sowohl fachliche als auch kulturelle Aspekte einer Klinik eine zentrale Rolle.
Für meine persönliche und wissenschaftliche Entwicklung sind insbesondere akademische Perspektiven von Bedeutung. Dazu gehört die Frage, inwieweit Forschung aktiv gefördert wird, ob strukturierte Möglichkeiten zur wissenschaftlichen Weiterentwicklung bestehen und wie eng klinische und akademische Medizin miteinander verzahnt sind. Ebenso relevant ist für mich, ob eine Habilitation bereits während der Assistenzarztzeit unterstützt und aktiv ermöglicht wird.
Die richtige Klinik finden: Was ist fachlich wichtig?
Ferner ist die Ausbildungsstruktur sehr entscheidend, insbesondere in der Herzchirurgie. Relevante Faktoren sind die Organisation der Weiterbildung, die Gestaltung der Rotation auf die Intensivstation sowie der systematische Aufbau operativer Fähigkeiten. Zwischen einzelnen Zentren bestehen hier erhebliche Unterschiede, die für die langfristige Entwicklung von großer Bedeutung sind. Die Unterschiede reichen von klar strukturierten Weiterbildungskonzepten bis hin zu weitgehend unstrukturierten Ausbildungsabläufen.
Die operative Ausbildung stellt dabei einen zentralen Kernbereich dar. Ein gutes Ausbildungsumfeld zeichnet sich dadurch aus, dass Assistenzärztinnen und Assistenzärzte frühzeitig in den OP eingebunden werden und ein breites Spektrum des Fachs kennenlernen und zunehmend Verantwortung im Saal übernehmen können. Dazu gehören insbesondere koronare Bypassoperationen, Herzklappeneingriffe, aortale Chirurgie sowie – je nach Zentrum – komplexere Verfahren wie Transplantationen oder mechanische Kreislaufunterstützungssysteme. Hier ist es entscheidend zu evaluieren, ob die Klinik das gesamte operative Spektrum des Fachs anbietet.
Für meine weitere fachliche Ausrichtung spielt insbesondere die Aortenchirurgie eine wichtige Rolle. Daher ist es für mich entscheidend, ein Zentrum zu wählen, das in diesem Bereich sowohl klinisch als auch wissenschaftlich über eine ausgeprägte Expertise verfügt.
Ein zunehmend wichtiger Aspekt der modernen Herzchirurgie ist zudem die technologische Entwicklung. Minimalinvasive Verfahren, robotisch assistierte Operationen sowie simulationsgestützte Trainingsmethoden verändern das Fach nachhaltig und erweitern die Möglichkeiten der Ausbildung. Deshalb ist es zentral zu prüfen, ob die Klinik dies auch anbietet und Assistenzärztinnen und -ärzte mit den Trainingsmethoden fördert. Denn selbst wenn Simulatoren vorhanden sind, fehlt in manchen Kliniken eine strukturierte Einführung oder Anleitung, sodass ihr Potenzial für die Ausbildung nicht vollständig genutzt wird.
Die persönliche Passung als zentraler Faktor
Neben all diesen Kriterien bleibt jedoch ein Aspekt unverändert zentral: die persönliche Passung. Die Entscheidung für eine Klinik entsteht häufig aus dem Zusammenspiel von fachlichen Argumenten und persönlichem Empfinden. Nicht selten fügt sich dabei vieles auf natürliche Weise zusammen – sowohl das rationale Abwägen als auch das intuitive Gefühl stehen in Einklang. Wenn Erwartungen, Arbeitsrealität und persönliche Haltung übereinstimmen, entsteht oft ein Eindruck von Stimmigkeit, in dem Prozesse klar wirken, Entwicklungen selbstverständlich erscheinen und sich der weitere Weg organisch ergibt. Gerade weil ein großer Teil des Lebens im beruflichen Umfeld verbracht wird, sind ein wertschätzendes Arbeitsklima, konstruktive Teamstrukturen und die gezielte Förderung motivierter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von entscheidender Bedeutung.
Zusammenfassend hat mir die bewusste Auseinandersetzung mit unterschiedlichen klinischen Strukturen, Ausbildungsmodellen und akademischen Rahmenbedingungen gezeigt, wie groß die Unterschiede zwischen einzelnen herzchirurgischen Zentren tatsächlich sind – und wie entscheidend diese für die eigene Entwicklung als herzchirurgische Operateurin und akademisch tätige Ärztin sind.
Für den weiteren Weg ist daher nicht nur die fachliche Exzellenz eines Zentrums ausschlaggebend, sondern ebenso eine strukturierte operative Ausbildung, wissenschaftliche Perspektive und eine Umgebung, die die Entwicklung aktiv fördert.
Am Ende prägen nicht nur die herzchirurgischen Operationen, bei denen man assistiert, den eigenen Weg – sondern vor allem die Menschen, die einen fördern, die Haltung, die einen trägt, und ein Umfeld, das aus echter fachlicher Begeisterung nachhaltige Exzellenz entstehen lässt.